10 Punkte, wie Workshops und Trainings während der Corona Zeit stattfinden können

corona training Jun 25, 2020

Corona hat Trainer, Teilnehmer und Auftraggeber von Seminaren und Weiterbildungen vor viele Fragen gestellt. Einige Veranstaltungen konnten digital abgebildet werden. Die Mehrzahl an Veranstaltungen fanden gar nicht erst statt. Jedoch erfolgten auch Präsenzseminare und Weiterbildungen unter besonderen Rahmenbedingungen, die die jeweils geltenden Maßnahmen und Beschränkungen berücksichtigten und damit aktuell für die Trainingsumsetzung und für die Zukunft nützlich sind und sein werden.

Wir teilen in diesem Artikel unsere Erfahrungen und Überlegungen, wie wir Trainings angepasst und teilweise ganz neu gedacht haben. Zudem stellen wir Maßnahmen vor, die wir getroffen haben und wie wir mit der Situation in der Rolle des Trainers umgegangen sind.

Grundlage und Leitfaden der Überlegungen sind die Qualitätsdimensionen, die für Trainings in jeder Hinsicht gelten: Strukturqualität, Prozessqualität und Ergebnisqualität.

 Wir möchten an dieser Stelle hervorheben, dass wir die jeweils aktuellen und verfügbaren Sachinformationen und Regelungen zur Eindämmung des Infektionsrisikos zum jeweiligen Trainingszeitpunkt in die Überlegungen einbezogen haben. Gleichzeitig war es uns wichtig, dass die persönlichen emotionalen Zustände der Teilnehmer ihren Raum finden.

Die Interpretation der verfügbaren Informationen unterliegt jeder Person selbst und ist Basis für das persönliche Erleben. Dies reicht von Angst bis Bagatellisierung. Wir als Trainer haben Wert daraufgelegt, mit unserem Verhalten in den Trainings mit gutem Beispiel voranzugehen, Abstände zu wahren und Gewohnheiten, wie Stifte übergeben oder Gegenstände durch viele Hände gehen zu lassen, keinen Raum zu geben. Dafür war es notwendig, Methoden zu überdenken.

 Die Struktur schafft den Rahmen des Trainings

Die räumlichen Gegebenheiten und die Anzahl der Teilnehmer spielen eine grundlegende Rolle. Hier ist zu beachten, dass jede/r Teilnehmende ausreichend Platz hat, um den Mindestabstand einzuhalten. Sitzplätze sollten nicht getauscht werden. Abhängig von der Bestuhlung des Raumes stellen die Tische in U-Form oder Blocktafel bereits einen guten Abstand zwischen den Teilnehmenden her. Plexiglasscheiben nahmen die Teilnehmer bisher als eher störend war. Sie wurden aufgrund der möglichen Spiegelungen und aufgrund der haptischen Grenze eher als Barriere empfunden, dem Gesagten des Gegenübers zu folgen.Ein weiterer beachtenswerter Punkt ist die Ausstattung des Trainingsraums. Zur Corona-Seminarausstattung gehören für jeden Teilnehmer eine persönliche Maske, ein eigener Block und ein eigener Stift. Abhängig von der vorgesehenen Methode kann es notwendig sein, jedem Teilnehmer eigene Post-its und Marker zur Verfügung zu stellen. Ein Desinfektionsmittelspender zur Händedesinfektion sollte im Raum vorhanden sein. Möglicherweise ist es notwendig, Gruppen zu teilen. Gruppengrößen mit mehr als zehn Teilnehmer*innen im Präsenztraining ist unserer Meinung nach in diesen Zeiten nur schwer realisierbar, da die Raumgrößen meist einschränkend sind.  Die Teilung von Gruppen erfordert entweder weitere Termine oder weitere Trainer. Beide Optionen sind nicht unerhebliche Budgetfaktoren, die es zu berücksichtigen und mit dem Auftraggeber zu klären gilt.

Weiterhin sollten Stornoregelungen neu gedacht werden. Es sollte in jedem Fall vermieden werden, dass eine Person, die sich nicht gesund fühlt, an einem Training teilnimmt und damit eine Infektionsgefahr für den Rest der Gruppe darstellt. Eine entsprechende Information sollten die Teilnehmer*innen vor dem Training erhalten.

Darüber hinaus ist eine flexible Pausenregelung wichtig. Regelmäßiges Stoßlüften, die Möglichkeit zu haben, die Masken kurzzeitig abzusetzen und sich frei bewegen zu können hilft, die neuen Rahmenbedingungen zu erfüllen und die Teilnehmer zu entlasten. Die Pausenverpflegung sollte einzeln abgepackt sein, sodass eine „Buffetsituation“ vermieden wird. Auf die allseits bekannten Kekse auf den Tischen sollte verzichtet werden.

Zudem sollte es ein Flipchart oder einen anderen geeigneten, gut sichtbaren Aushang oder Tischaufsteller geben, der auf die wichtigsten Regeln wie Händewaschen, Niesetikette, Lüftungs- und Pausenregelungen, Umgang mit Krankheitsgefühl, geltender Mindestabstand und ggf. weitere Regelungen, hinweist.

Der Ablauf, die Methoden und die Koordination der Teilnehmer im Raum

In früheren Präsenztrainings waren Gruppen- und Paarsettings eine beliebte Arbeitsform, um sich auszutauschen, Erfahrungen zu reflektieren und Anwendungsmöglichkeiten zu ermitteln. In Zeiten von Corona sind bei diesen Formaten wichtige Punkte zu beachten:

Es ist Voraussetzung, dass der Gruppenarbeitsraum oder der Gruppenarbeitsplatz ein entsprechendes Platzangebot vorweist. Ist dies nicht der Fall helfen andere Formate, den gleichen oder ähnlichen Effekt zu erzielen. Hier kann beispielsweise ein Brainwalk eingesetzt werden, in dem sich jeder Einzelne der Bearbeitung verschiedener Stationen widmet, die Informationen ergänzt werden und im Anschluss vom Platz ausdiskutiert werden. Je nach Wetterlage und Platzangebot ist eine Verlagerung des Arbeitsplatzes an die frische Luft eine gute Abwechslung, um die Statik aufzuheben, Bewegung in den Raum bzw. in den Tagesablauf zu bringen und gleichzeitig das Infektionsrisiko zu minimieren.

 Der Wechsel in den frontalen trainerzentrierten Unterricht ist verlockend, darf aus unserer Sicht jedoch nicht das Ergebnis der aktuellen Einschränkungen sein. Eine methodische und didaktische Vielfalt, die das interaktive Erlernen und Erleben der Inhalte ermöglicht, ist nach wie vor möglich und notwendig, um Lernerfolg zu ermöglichen. Hier sind bereits kleine Hinweise und Veränderungen wirkungsvoll.

Wenn beispielsweise Themen in kleinen Gruppen rund um ein Flipchart herum bearbeitet werden, hilft es, die Teilnehmer durch visuelle Hinweise wie Klebestreifen am Boden oder Zollstöcke an den Flipcharts, an die Einhaltung der Abstände zu erinnern.

Bei Aktivierungsspielen sorgen Hinweise bei der Einleitung der Aktivität und ein ausreichendes Platzangebot für Sicherheit. Somit entfallen Methoden mit Körperkontakt. Ganz auf Aktivierungen zu verzichten halten wir jedoch für keine gute Idee, denn darunter leidet schlussendlich die Ergebnisqualität. Gute Möglichkeiten sind zum Beispiel (Fach-)Begriffe erklären und erraten oder Methoden, die sich auch mit Abstand realisieren lassen.

Was am Ende dabei rauskommt

Sicherlich ist die Messung von Ergebnissen im Training ein umfangreiches Unterfangen. Wir teilen an dieser Stelle unsere Beobachtungen und Rückmeldungen der Teilnehmer.

Unsere Ergebniswahrnehmung der Trainings ist sehr positiv. Durch die kleinere Gruppengröße ist ein intensiveres Arbeiten möglich. Die „frei gewordene“ Zeit lässt sich in Transferunterstützung investieren. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit deutlich, dass die Inhalte umgesetzt werden. Insbesondere in aufeinanderfolgenden Trainings konnte das Maß der Umsetzung des Gelernten reflektiert werden. Die Atmosphäre im Training haben wir bisher als sehr positiv wahrgenommen.

Vielen Teilnehmer*innen ist durch die starken Einschränkungen der vergangenen Monate bewusst geworden, wie bereichernd das Aufeinandertreffen im realen Leben und das gemeinsame Erleben und Erarbeiten im Training sind.

Dies schmälert unserer Meinung nach nicht die Erfolgserlebnisse, die wir in der Umsetzung von Online Formaten erlebt haben. Wir sehen hier eine wichtige Erkenntnis für die Konzeption von Blended Learning Ansätzen. Maßgeblich ist der Wunsch des Kunden bzw. Auftraggebers, aber auch der eigenen Trainerpersönlichkeit und die technischen Möglichkeiten auf Auftraggeberseite.

Die Rolle des Trainers

Schlussendlich liegt es an dem bewussten Umgang mit der Situation und der Sensibilität des Trainers, mit den besonderen Rahmenbedingungen souverän und empathisch umzugehen. Es lohnt sich, gleich zu Beginn des Trainings den Raum zu schaffen, die Rahmenbedingungen, Regeln und Haltungen der Teilnehmer zu thematisieren, um ein gutes Miteinander in den Veranstaltungen zu etablieren. Der Trainer geht hier im besten Fall sensibilisiert und reflektiert mit der eigenen Haltung und den eigenen Gewohnheiten um. Das hilft auf Hinweise, Befürchtungen und Reaktionen der Teilnehmer souverän und aufgeklärt reagieren zu können und damit Orientierung zu geben. Es ist ein Veränderungsprozess, der die eigenen Gewohnheiten, die eigene Haltung und das gezeigte Verhalten des Trainers fordert und gleichzeitig entwickelt.

Die 10 Punkte auf einen Blick 

  1. Ist der Raum groß genug, damit alle Teilnehmer den Abstand wahren können und kann der Raum gut gelüftet werden?

  2. Sind ausreichend Stifte und Marker für Visualisierungen vorhanden?

  3. Kann eine geeignete Bestuhlungsform gewählt werden?

  4. Sind Gesichtsmasken und Desinfektionsmittel vorhanden?

  5. Gibt es ausreichend Platz für Flipcharts / Pinnwände, sind genügend davon vorhanden?

  6. Welche Verpflegung wird vorgesehen? (keine Buffetsituation)

  7. Wie werden die Hygieneregeln kommuniziert? (Flipchart, Aushang, Tischaufsteller, Vorabinformation)

  8. Methodik anpassen, Aktivierungen überprüfen und anpassen

  9. Zeitplanung (aufgrund der Gruppengröße) überarbeiten und ggf. in Transferelemente investieren

  10. Pausenregelung überdenken und ggf. umplanen

 Wir wünschen konstruktive Trainingstage!

Henriette und René 

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